Warum Transformation auch leicht sein darf – und was das mit «Playful Business» zu tun hat
- Bernhard Nitz

- vor 4 Tagen
- 3 Min. Lesezeit

Ich werde oft gefragt, ob man Veränderungsprozesse auch mal mit einem Lächelnangehen kann, ohne dabei an Ernsthaftigkeit zu verlieren. Meine Antwort: Man kann nicht nur – man sollte.
In den letzten Monaten wurde ich auf LinkedIn als einer der Top-20-Berater im DACH-Raum für «Playful Business» genannt. Ehrlich gesagt hat mich das überrascht. Nicht, weil der Begriff falsch wäre, sondern weil ich selbst selten darüber spreche, was ich da eigentlich tue. Höchste Zeit, das zu ändern.
Was Transformation oft mit uns macht
Wenn ich Führungskräfte zu Beginn eines Transformationsprozesses frage, wie sie sich fühlen, höre ich erstaunlich oft dieselben Worte: Gestresst. Besorgt. Müde. Das ist nicht überraschend. Transformation bedeutet Ungewissheit. Sie greift in Gewohnheiten ein, stellt Selbstverständliches in Frage und fordert von Menschen, sich zu verändern – was biologisch gesehen schlicht unangenehm ist.
Aber ist das unvermeidlich?
Ich glaube nicht vollständig. Der Unterschied liegt oft nicht in der Schwere der Themen, sondern in der Art, wie wir damit arbeiten.
Veränderung, die sich ausschliesslich schwer anfühlt, erzeugt Widerstand.
Veränderung, die auch Energie freisetzt, erzeugt Bewegung.
Was «Playful Business» nicht ist
Eine kurze Klarstellung, weil Missverständnisse vorprogrammiert sind: Playful Business bedeutet nicht, herumzualbern oder ernste Themen kleinzumachen. Es bedeutet nicht, Strategie-Workshops mit Teambuilding-Spielen aufzuhübschen. Und es bedeutet schon gar nicht, schwierige Gespräche durch Lockerungsübungen zu umgehen. Es geht um etwas anderes.
Playful Business bedeutet den Arbeitsmodus wechseln, ohne das Ziel aus den Augen zu verlieren.
Wie spielerische Konzepte in meinen Workshops anwende
In meiner Arbeit mit Führungsteams und Transformationsgruppen setze ich seit Jahren auf Formate, die über das klassische Präsentieren und Diskutieren hinausgehen. Einige Beispiele:
Ball-Point-Game: Eine einfache Simulation, die in 20 Minuten zeigt, was Teams in Monaten nicht lernen: wie selbstorganisiertes Arbeiten wirklich funktioniert und wo versteckte Optimierungsreflexe das System bremsen.
Race to the Moon: Eine spielerische Visions-Methodik für die partizipative Einbindung von Grossgruppen in die Visionsarbeit. Bisher unbeteiligte Teams kommen zu erstaunlichen Zukunftsbildern und Visions-Ansätzen – und eröffnen damit die Diskussion darüber, was «ein erstrebenswertes und anschlussfähiges Zukunftsbild» in ungewissen, uneindeutigen Situationen bedeutet.
Paar-Lauf und Spiderweb: Körperliche Formate, die Systemdynamiken erfahrbar machen, ohne ein einziges Konzept-Folie zu brauchen. Was das Spiderweb über Abhängigkeitenin einer Organisation sagt, bleibt länger hängen als jede Stakeholder-Map.
Schätzpoker und Participative Budgeting: Bekannte Formate aus der agilen Welt aber eingesetzt an unerwarteten Stellen, lösen sie Gespräche aus, die in klassischen Entscheidungsrunden nie stattfinden würden. Was diese Formate gemeinsam haben: Sie erzeugen Erfahrung statt Erklärung.Und Erfahrung sitzt tiefer.
Was wirklich dabei passiert
Wenn ein Führungsteam gemeinsam das Ball-Point-Game erst gemeinsam verliert und danach gemeinsam gewinnt, hat das eine andere Qualität als ein Vortrag über Selbstorganisation. Die Emotion und das Gemeinschaftserlebnis sind echt. Die Erkenntnis ist durch echte Erfahrung gewonnen und sogar körperlich verankert. Dass dabei gelacht werden darf, versteht sich von selbst und die Frage «Wie machen wir das in unserem Alltag?» braucht nicht mehr gestellt werden.
Genau das meine ich mit «leicht»: nicht oberflächlich, sondern zugänglich. Der Weg zur Einsicht führt manchmal durch Neugier und Energie – nicht immer durch Erschöpfung, Leid und Widerstand.
Spielerische Formate sind kein Gegenteil von Ernsthaftigkeit.
Sie sind manchmal der schnellste Weg dorthin.
Was das für Ihre Organisation bedeuten könnte
Ich erlebe regelmässig, dass Gruppen, die anfangs skeptisch sind («Wir haben keine Zeit für Spiele, wir sollten lieber an der Sache arbeiten»), nach einer Stunde anders über ihre eigene Zusammenarbeit sprechen als nach Tagen von Konzeptarbeit, weil die spielerische Herangehensweise den Räume schafft, in denen die eigene Wahrheit auftauchen kann. Das ist kein Trick. Das ist Methode – systemisch fundiert, erfahrungsbasiertund auf Wirkung ausgerichtet.
Wenn Sie neugierig sind, wie das in Ihrem Kontext aussehen könnte:Ich erzähle Ihnen gerne mehr. Nicht mit einem Pitch. Sondern in einem Gespräch.



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